Rohstoff-ETCs und breite Rohstoffindizes: Struktur und Kosten
Verstehen Sie, wie ETCs, ETNs und Rohstoffindex-ETFs aufgebaut sind, wie breite Rohstoffindizes gewichtet werden und was ein Produkt einen Euro-Anleger wirklich kostet.
Was Sie lernen werden
- Wie sich ETCs, ETNs und Rohstoffindex-ETFs rechtlich unterscheiden
- Wie breite Rohstoffindizes ihre Gewichte festlegen
- Wie Sie die Gesamtkosten eines Produkts einschließlich Währung aufschlüsseln
- Wie Sie zwei Rohstoffprodukte vor dem Kauf vergleichen
Erklärung
Lektion 7 hat die Rendite eines Futures-basierten Produkts erklärt: Spotveränderung, Rollrendite und Zinsen auf die Sicherheiten. Diese Lektion betrachtet die Hülle (Wrapper) um diese Rendite und den Index darin.
Drei Produkthüllen
Ein börsengehandeltes Produkt (ETP) ist jedes börsengehandelte Wertpapier, das einen Basiswert abbildet. Für Rohstoffe gibt es in Europa drei Haupttypen:
- ETC (Exchange-Traded Commodity): eine von einer Zweckgesellschaft begebene Schuldverschreibung, die einen einzelnen Rohstoff oder einen Index abbildet. Sie ist kein Fonds und genießt nicht den Schutz als Sondervermögen, den ein Fonds hat.
- ETN (Exchange-Traded Note): eine Schuldverschreibung, die unbesichert sein kann; fällt der Emittent aus, sind Sie ein gewöhnlicher Gläubiger.
- Rohstoffindex-ETF: ein OGAW-Fonds (UCITS = Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities, die EU-Fondsregeln; auf Deutsch OGAW). OGAW-Fonds müssen diversifiziert sein, daher können sie einen breiten Rohstoffindex abbilden, aber keinen einzelnen Rohstoff. Ein Engagement in einzelnen Rohstoffen erfolgt in Europa daher meist über ein ETC.
Wie ETCs besichert sind
Ein physisch hinterlegtes ETC hält das Metall in einem Tresor, wobei ein Treuhänder Sicherheiten für die Anleger hält; das ist bei Edelmetallen üblich. Öl, Gas oder Getreide lassen sich nicht günstig lagern, daher sind ETCs darauf synthetisch: Der Emittent schließt einen Swap ab (einen Vertrag, bei dem eine Bank die Indexrendite zahlt) und hält Sicherheiten (Bargeld oder hochwertige Anleihen), die täglich bewertet werden. Sicherheiten verringern das Risiko, dass der Emittent oder die Swap-Bank ausfällt, beseitigen es aber nicht. Der Prospekt zeigt, woraus die Sicherheiten bestehen.
Wie breite Indizes gewichtet werden
| Merkmal | Bloomberg Commodity Index (BCOM) | S&P GSCI |
|---|---|---|
| Gewichtungsbasis | Liquiditäts- und Produktionsdaten, kombiniert im Verhältnis 2:1 | Hauptsächlich weltweite Produktionsmengen |
| Diversifikationsobergrenzen | Einzelner Rohstoff höchstens 15%, ein Rohstoff samt seinen abgeleiteten Produkten höchstens 25%, ein Sektor höchstens 33% | Keine vergleichbaren Obergrenzen |
| Typisches Ergebnis | Über alle Sektoren verteilt | Energielastig |
| Neugewichtung | Jährlich | Jährlich |
Faustregel: Lesen Sie die aktuellen Gewichte, nicht den Namen. Ein nach Produktion gewichteter „breiter“ Index kann sich ganz ähnlich wie eine Ölanlage verhalten.
Indexversionen und Kosten
Ein Excess-Return-Index (ER) enthält nur Spot- und Rollrendite. Ein Total-Return-Index (TR) fügt die Zinsen auf die Sicherheiten hinzu, meist auf kurzfristige US-Schatzwechsel (Treasury Bills). Zu den Kosten gehören:
- TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote): die jährliche Produktgebühr.
- Swapkosten: oft außerhalb der TER, aber sichtbar in der Tracking-Differenz (Produktrendite minus Indexrendite).
- Geld-Brief-Spanne und Ordergebühren.
- Währung: Rohstoffindizes werden in US-Dollar (USD) bepreist; ein Euro-Anleger verliert, wenn der Dollar fällt. Eine in Euro abgesicherte Anteilsklasse beseitigt den Großteil dieses Effekts, zu Kosten oder einem Ertrag, die ungefähr der kurzfristigen Zinsdifferenz zwischen USD und Euro entsprechen.
Steuerliche Orientierung für Deutschland
ETCs sind grundsätzlich keine Investmentfonds, daher gilt die Teilfreistellung für Fonds nicht, und Gewinne unterliegen in der Regel der Abgeltungsteuer. Für bestimmte Gold-ETCs mit Anspruch auf Lieferung von Gold hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass Gewinne nach mehr als einem Jahr steuerfrei sein können. Die Behandlung hängt von den Produktbedingungen ab und kann sich ändern: Klären Sie das mit einem Steuerberater.
Rechenbeispiel
Hypothetisches Beispiel: €10,000 in einem USD-Total-Return-Rohstoffindexprodukt für ein Jahr. Annahmen: Spot +5%, Rollrendite −4%, Zinsen auf die Sicherheiten +3%, Produktkosten 0.30%; EUR/USD (US-Dollar pro Euro) bewegt sich von 1.10 auf 1.15. Ordergebühren, Spreads und Steuern sind nicht berücksichtigt; das Addieren der Komponenten ist eine Näherung.
- Indexrendite in USD: 5% − 4% + 3% = +4.0%.
- Produktrendite in USD: 4.0% − 0.30% = +3.7%.
- Anfangswert in USD: €10,000 × 1.10 = $11,000.
- Endwert in USD: $11,000 × 1.037 = $11,407.
- Endwert in Euro: $11,407 ÷ 1.15 = €9,919.
- Rendite in Euro: €9,919 ÷ €10,000 − 1 = −0.8%.
Der schwächere Dollar hat einen Gewinn in einen kleinen Verlust verwandelt. Eine in Euro abgesicherte Anteilsklasse mit hypothetischen Absicherungskosten von 1.5% hätte etwa +2.2% (€10,220) erzielt. Die Absicherung beseitigt ein Risiko, aber zu einem Preis.
Häufiger Fehler
Übung
Sie vergleichen zwei Produkte für €8,000, die fünf Jahre gehalten werden.
- Produkt A: swapbasiertes Kupfer-ETC, historische Tracking-Differenz −0.60% pro Jahr.
- Produkt B: OGAW-ETF auf einen breiten Index, historische Tracking-Differenz −0.30% pro Jahr. Aktuelle Indexgewichte: Rohöl 16%, Erdgas 8%, Heizöl und Benzin 6%, Metalle 35%, Agrarrohstoffe und Vieh 35%.
Aufgaben: (1) Schätzen Sie die Mehrkosten von A über fünf Jahre, ohne Zinseszins. (2) Wie hoch ist das Energiegewicht von B? (3) Welches Produkt trägt ein Einzelrohstoffrisiko, und welches hat Fondsschutz?
Lösung anzeigen
- Differenz: 0.60% − 0.30% = 0.30% pro Jahr. €8,000 × 0.30% × 5 = etwa €120 (mit Zinseszins etwa €118).
- Energie: 16% + 8% + 6% = 30%.
- Produkt A ist eine Wette auf einen einzelnen Rohstoff und eine besicherte Schuldverschreibung, kein Fonds. Produkt B ist ein OGAW-Fonds, doch seine Rendite hängt weiterhin vom Swap und von den Indexgewichten ab.
Einschränkungen: Eine vergangene Tracking-Differenz ist keine Garantie für künftige Kosten, und die Rollrendite kann sich zwischen Produkten weit stärker unterscheiden als die Gebühren.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein ETC ist eine Schuldverschreibung; ein Rohstoffindex-ETF ist ein OGAW-Fonds. Einzelne Rohstoffe gibt es in Europa meist als ETC.
- Die Indexgewichtung bestimmt das Engagement: Der BCOM nutzt Obergrenzen sowie Liquidität plus Produktion; der S&P GSCI ist hauptsächlich nach Produktion gewichtet und energielastig.
- Gesamtkosten = Gebühren + Tracking-Differenz + Handelskosten; die Währungsbewegung kann alles überlagern.
- Die steuerliche Behandlung in Deutschland hängt von der Produktstruktur ab; klären Sie das mit einem Steuerberater.
Nächster Schritt
In Lektion 9 vergleichen Sie einen alternativen Weg zum Rohstoffengagement: Aktien der Unternehmen, die den Rohstoff produzieren.
Selbsttest
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