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Lektion 10 von 13 · Kostenlos

Rebalancing: warum, wann und wie

Nutzen Sie Kalenderregeln und Toleranzbänder, um ein Portfolio wieder auf seine Zielaufteilung zurückzuführen, und berechnen Sie die nötigen Transaktionen oder neuen Sparbeträge.

Autor: Moustafa HijaziInhalt geprüft: 2026-10-305 Min. LesezeitSelbstlernkurs

Was Sie lernen

  • Warum ein Portfolio von seiner Zielaufteilung abdriftet und warum das Ihr Risiko verändert.
  • Wie Kalenderregeln und Toleranzbänder bestimmen, wann Sie rebalancieren.
  • Wie Sie die genaue Rebalancing-Transaktion und die Alternative über Zahlungsflüsse berechnen.
  • Welche Kosten und Steuern Rebalancing in Deutschland auslösen kann.

Erklärung

Die Wahl einer Zielaufteilung aus Aktien, Anleihen und Bargeld wurde in Lektion 7 behandelt.

Drift

Drift bedeutet, dass sich die Gewichte in Ihrem Portfolio von Ihren Zielen entfernen, weil die Teile unterschiedlich schnell wachsen. Nach einem langen Anstieg der Aktienkurse kann aus einem 60/40-Portfolio (60% Aktien, 40% Anleihen) ein 70/30-Portfolio werden, ohne dass Sie etwas kaufen. Sie tragen dann mehr Risiko, als Sie sich vorgenommen haben. Nach einem Crash geschieht das Gegenteil.

Rebalancing bedeutet, die Gewichte wieder auf die Ziele zurückzuführen. Sein Hauptzweck ist die Risikokontrolle: Sie behalten das gewählte Risikoniveau bei. Es ist kein verlässlicher Weg, die Rendite zu steigern. In einem Markt, der viele Jahre lang steigt, bedeutet Rebalancing meist, einen Teil der weiter steigenden Anlage zu verkaufen.

Wann: drei gängige Regeln

  • Kalenderregel: einmal im Jahr an einem festen Termin prüfen (zum Beispiel an Ihrem Geburtstag) und bei Bedarf rebalancieren.
  • Toleranzbandregel: nur rebalancieren, wenn ein Gewicht ein Band um sein Ziel verlässt. Ein absolutes Band von ±5 Prozentpunkten (PP) bei einem Ziel von 60% bedeutet, unter 55% oder über 65% zu handeln. Ein relatives Band von ±20% bei einer Position von 10% bedeutet, unter 8% oder über 12% zu handeln; relative Bänder eignen sich für kleine Positionen.
  • Kombinierte Regel: ein- oder zweimal im Jahr nachsehen und nur handeln, wenn ein Band verletzt ist. Das vermeidet viele kleine Transaktionen und verhindert zugleich, dass große Bewegungen ignoriert werden.

Tägliches Prüfen führt zu teuren Kleinsttransaktionen; nie zu prüfen lässt das Risiko ohne Entscheidung abdriften.

Wie: zwei Methoden

  • Verkaufen und Kaufen: den übergewichteten Teil verkaufen und den untergewichteten Teil kaufen. Schnell und exakt, kann aber Ordergebühren und Spreads kosten, und ein Verkauf mit Gewinn kann Steuern auslösen.
  • Rebalancing über Zahlungsflüsse: neue Sparbeträge oder Ausschüttungen nur in den untergewichteten Teil lenken, bis die Gewichte wieder im Band liegen. Kein Verkauf, also keine Steuer auf Gewinne. Das funktioniert am besten, solange Sie noch sparen und die Drift gering ist.

Die Formel für den Zielwert eines Teils ist einfach: Zielwert = Zielgewicht × Gesamtwert des Portfolios. Die Transaktion ist die Differenz zwischen Zielwert und aktuellem Wert.

Rechenbeispiel

Hypothetisches Beispiel: ein Portfolio von €50,000 mit einem Ziel von 60/40: €30,000 in einem Aktien-ETF und €20,000 in einem Anleihen-ETF. Die Regel ist ein absolutes Band von ±5 PP. Über zwei Jahre steigt der Aktien-ETF um 25% und der Anleihen-ETF fällt um 5%. Gebühren und Spreads bleiben unberücksichtigt; die Steuer wird separat als vereinfachter Ausblick auf Lektion 12 gezeigt.

  1. Neue Werte: Aktien €30,000 × 1.25 = €37,500; Anleihen €20,000 × 0.95 = €19,000. Summe = €56,500.
  2. Aktiengewicht: €37,500 ÷ €56,500 = 66.4%. Das liegt über 65%, das Band ist also verletzt.
  3. Zielwert Aktien: 60% × €56,500 = €33,900. Verkaufen Sie €37,500 − €33,900 = €3,600 des Aktien-ETF und kaufen Sie für €3,600 den Anleihen-ETF.
  4. Alternative über Zahlungsflüsse: Die €37,500 in Aktien sollen 60% einer größeren Summe ausmachen. Benötigte Summe = €37,500 ÷ 0.60 = €62,500. Benötigte Anleihen = 40% × €62,500 = €25,000. Neues Geld in Anleihen = €25,000 − €19,000 = €6,000.
  5. Vereinfachte Steuer auf den Verkauf: Angenommen, die verkauften Anteile enthalten denselben Gewinnanteil wie die gesamte Position, €7,500 ÷ €37,500 = 20%. Gewinn = 20% × €3,600 = €720. Bei einem Aktien-ETF sind 30% des Gewinns steuerfrei (Teilfreistellung, Lektion 12), steuerpflichtig sind also €504. Ist Ihr jährlicher Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft, beträgt die Steuer bei 26.375% (25% zuzüglich Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer) = €132.93.

Die Wahl lautet also: jetzt verkaufen und etwa €133 Steuern plus Kosten zahlen, oder in den kommenden Monaten €6,000 an neuen Sparbeträgen in Anleihen lenken.

Häufiger Fehler

Nach Gefühl statt nach Regel rebalancierenViele Anleger lassen das Rebalancing nach einem Crash aus, weil sich der Kauf von Aktien falsch anfühlt, und nach einem Boom, weil sich der Verkauf von Gewinnern falsch anfühlt. Beide Entscheidungen verändern Ihr Risikoniveau ohne Plan. Schreiben Sie die Regel im Voraus auf (Termin und Band) und halten Sie sich daran.

Übung

Ihr Ziel ist 70/30. Sie starten mit €28,000 in Aktien und €12,000 in Anleihen. Dann fallen die Aktien um 20%, und die Anleihen steigen um 2%. Ihre Regel ist ein absolutes Band von ±5 PP. Lassen Sie Kosten und Steuern außer Acht.

  1. Berechnen Sie die neuen Werte und das Aktiengewicht. Ist das Band verletzt?
  2. Welche Transaktion stellt 70/30 wieder her?
  3. Wie viel neues Geld in Aktien würde 70/30 wiederherstellen, ohne Anleihen zu verkaufen?
Lösung anzeigen

1. Aktien €28,000 × 0.80 = €22,400; Anleihen €12,000 × 1.02 = €12,240; Summe €34,640. Aktiengewicht = €22,400 ÷ €34,640 = 64.7%, also unter 65%; das Band ist (knapp) verletzt.

2. Zielwert Aktien = 70% × €34,640 = €24,248. Kaufen Sie für €1,848 Aktien und verkaufen Sie für €1,848 Anleihen.

3. Die Anleihen bleiben bei €12,240 = 30%, die Summe muss also €12,240 ÷ 0.30 = €40,800 betragen. Benötigte Aktien = €40,800 − €12,240 = €28,560. Neues Geld = €28,560 − €22,400 = €6,160.

Einschränkungen: In Deutschland hängt die Steuer bei einem tatsächlichen Verkauf davon ab, welche Anteile zuerst verkauft werden (First in, first out) und wie viel von Ihrem Pauschbetrag noch übrig ist; die tatsächliche Steuer kann daher von dem oben verwendeten einfachen Durchschnitt abweichen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rebalancing stellt das gewählte Risikoniveau wieder her; es ist Risikokontrolle, kein Renditeversprechen.
  • Eine kombinierte Regel funktioniert gut: ein- oder zweimal im Jahr prüfen und nur handeln, wenn ein Band von etwa ±5 PP verletzt ist.
  • Zielwert = Zielgewicht × Gesamtwert; die Transaktion ist die Lücke zum aktuellen Wert.
  • Wer neue Sparbeträge in den untergewichteten Teil lenkt, vermeidet Verkäufe, Kosten und Steuern auf Gewinne.

Nächster Schritt

In der nächsten Lektion berechnen Sie, wie der Zinseszinseffekt über Jahrzehnte wirkt und wie viel vom Endergebnis Gebühren wegnehmen können.

Selbsttest

Beantworten Sie die Fragen und prüfen Sie dann Ihre Antworten. Sie können es so oft wiederholen, wie Sie möchten.

1. Ihr Ziel sind 50% Aktien mit einem absoluten Band von ±5 PP. Das Portfolio beträgt €80,000, davon €45,600 in Aktien. Was sollten Sie tun?

2. Was ist der Hauptzweck des Rebalancings?

3. Warum ist Rebalancing über Zahlungsflüsse für einen deutschen Anleger, der noch monatlich spart, oft attraktiv?

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