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Ihr finanzieller Ausgangspunkt: Vermögensaufstellung und monatlicher Cashflow

Erstellen Sie eine Vermögensaufstellung und eine monatliche Cashflow-Übersicht, damit Sie genau wissen, wo Sie stehen, bevor Sie Geldentscheidungen treffen.

Autor: Moustafa HijaziInhalt geprüft: 2026-10-305 Min. LesezeitSelbstlernkurs

Was Sie lernen werden

  • Wie Sie aus Ihren Vermögenswerten und Verbindlichkeiten eine Vermögensaufstellung erstellen.
  • Wie Sie Ihren monatlichen Cashflow anhand von Kontoauszügen erfassen, nicht aus dem Gedächtnis.
  • Wie Sie Ihre Sparquote und Ihr liquides Nettovermögen berechnen.
  • Wie Sie beide Zahlen gemeinsam lesen, um zu entscheiden, woran Sie zuerst arbeiten.

Erklärung

Jeder Finanzplan beginnt mit zwei Bildern. Das erste ist eine Momentaufnahme: was Sie an einem bestimmten Tag besitzen und was Sie schulden. Das zweite ist ein Fluss: wie Geld jeden Monat herein- und hinausgeht. Sie brauchen beides, denn eine gute Momentaufnahme kann einen schlechten Fluss verbergen, und ein guter Fluss kann alte Schulden verdecken.

Die Vermögensaufstellung

Ein Vermögenswert ist etwas, das Sie besitzen und das einen Geldwert hat: Bargeld, Kontoguthaben, Geldanlagen, ein Auto oder eine Immobilie. Eine Verbindlichkeit ist Geld, das Sie schulden: ein Autokredit, ein Kreditkartensaldo, ein Dispositionskredit (Dispo), ein Studienkredit oder eine Baufinanzierung. Ihr Nettovermögen ist:

Nettovermögen = Summe der Vermögenswerte − Summe der Verbindlichkeiten

Regeln für eine ehrliche Aufstellung:

  • Verwenden Sie den heutigen Marktwert, nicht den Kaufpreis. Ein Auto, das vor drei Jahren für €15,000 gekauft wurde, ist so viel wert, wie ein Käufer heute dafür zahlen würde.
  • Verwenden Sie die Restschuld jedes Kredits laut Ihrem Kreditauszug, nicht den ursprünglichen Betrag.
  • Lassen Sie persönliche Gegenstände ohne realistischen Wiederverkaufswert weg (Möbel, Kleidung). Sie sind kein Geld, über das Sie verfügen können.
  • Gruppieren Sie Vermögenswerte danach, wie schnell Sie sie ohne großen Verlust in Bargeld umwandeln können. Das nennt man Liquidität.

Das liquide Nettovermögen umfasst nur Bargeld, Kontoguthaben und leicht verkäufliche Geldanlagen, abzüglich aller kurzfristigen Schulden (Kreditkarten, Dispo). Es zeigt Ihnen, wie viel Sie im Notfall tatsächlich nutzen könnten. Man kann wegen eines Autos ein positives Nettovermögen, aber ein negatives liquides Nettovermögen haben.

Der monatliche Cashflow

Der Cashflow ist die Differenz zwischen Ihrem Nettoeinkommen (dem Geld, das nach Steuern und Sozialabgaben auf Ihr Konto eingeht) und Ihren Ausgaben im selben Monat. Ein positives Ergebnis ist ein Überschuss, ein negatives Ergebnis ein Defizit.

Erstellen Sie ihn aus den Konto- und Kartenauszügen der letzten drei Monate. Das Gedächtnis unterschätzt kleine, häufige Ausgaben immer. Ordnen Sie jede Zahlung einigen wenigen Kategorien zu: Wohnen, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen, Kommunikation, Abonnements, Freizeit, Kleidung und Sonstiges. Zahlungen, die ein- oder zweimal im Jahr anfallen (Kfz-Versicherung, eine Gebühr für den Internetvertrag, Geschenke), sollten Sie durch 12 teilen und als Monatsbetrag ansetzen. Lektion 8 zeigt, wie Sie diese richtig planen.

Ihre Sparquote ist:

Sparquote = monatlicher Überschuss ÷ monatliches Nettoeinkommen × 100

Die Sparquote ist aussagekräftiger als der Euro-Betrag, weil sie vergleichbar bleibt, wenn sich Ihr Einkommen ändert.

Die beiden Bilder gemeinsam lesen

  • Positives Nettovermögen, positiver Cashflow: stabile Basis; Sie können Ziele planen.
  • Negatives Nettovermögen, positiver Cashflow: Sie reparieren die Vergangenheit; die Schuldentilgung hat in der Regel Vorrang.
  • Beliebiges Nettovermögen, negativer Cashflow: dringend; Ihre Lage verschlechtert sich jeden Monat, bis der Fluss in Ordnung gebracht ist.

Wiederholen Sie die Vermögensaufstellung alle sechs oder zwölf Monate zum selben Stichtag. Der Trend ist wichtiger als jede einzelne Zahl.

Rechenbeispiel

Hypothetisches Beispiel: Lena, 29, Angestellte in Deutschland. Alle Zahlen sind erfunden, gerundet und zu einem Stichtag erhoben. Steuern auf Kapitalerträge und Verkaufskosten sind nicht berücksichtigt.

Vermögenswerte Wert Verbindlichkeiten Saldo
Girokonto €2,400 Autokredit (Restschuld) €6,500
Tagesgeld €5,000 Kreditkartensaldo €900
ETF-Depot (Marktwert) €8,600 Studienkredit €4,600
Auto (Marktwert) €9,000
Summe €25,000 Summe €12,000

Schritt 1: Nettovermögen = €25,000 − €12,000 = €13,000.

Schritt 2: Liquides Nettovermögen = (€2,400 + €5,000 + €8,600) − €900 = €16,000 − €900 = €15,100. Das Auto und die langfristigen Kredite bleiben bei dieser Zahl außen vor.

Schritt 3: Monatlicher Cashflow. Nettoeinkommen €2,650. Ausgaben aus drei Monatsauszügen (gemittelt): Warmmiete €950, Lebensmittel €380, Rate für den Autokredit €220, Kraftstoff und Kfz-Versicherung €160, Telefon und Internet €55, sonstige Versicherungen €45, Abonnements €40, Freizeit €300, Kleidung €80, Sonstiges €120. Ausgaben gesamt = €2,350.

Schritt 4: Überschuss = €2,650 − €2,350 = €300. Sparquote = €300 ÷ €2,650 × 100 ≈ 11.3%.

Interpretation: Lenas Lage ist stabil. Ihre nächsten Fragen lauten, ob sie den Kreditkartensaldo aus ihren Ersparnissen begleichen sollte (Lektion 4) und ob €5,000 als Notgroschen ausreichen (Lektion 3).

Häufiger Fehler

Dinge mit dem falschen Wert ansetzenViele Menschen führen das Auto zum Kaufpreis auf, vergessen den Dispo und schätzen ihre Ausgaben aus dem Gedächtnis. Das Ergebnis sieht besser aus als die Wirklichkeit und führt zu falschen Entscheidungen. Verwenden Sie Marktwerte, Restschulden und echte Auszüge.

Übung

Hypothetischer Fall: Jonas hat €1,200 auf seinem Girokonto, €3,000 auf dem Tagesgeldkonto, Aktien im Wert von €2,500 und ein Motorrad im Wert von €4,000. Er schuldet €2,800 aus einem Konsumentenkredit und hat einen Dispo von €600 in Anspruch genommen. Sein Nettoeinkommen beträgt €2,100, seine Ausgaben liegen bei €1,995 pro Monat. Berechnen Sie (a) das Nettovermögen, (b) das liquide Nettovermögen, (c) den Überschuss und die Sparquote.

Lösung anzeigen

(a) Vermögenswerte = €1,200 + €3,000 + €2,500 + €4,000 = €10,700. Verbindlichkeiten = €2,800 + €600 = €3,400. Nettovermögen = €7,300.

(b) Liquide Vermögenswerte = €1,200 + €3,000 + €2,500 = €6,700. Abzüglich kurzfristiger Schulden (Dispo €600) = €6,100.

(c) Überschuss = €2,100 − €1,995 = €105. Sparquote = €105 ÷ €2,100 × 100 = 5.0%.

Einschränkungen: Aktienkurse ändern sich täglich, und beim Verkauf von Aktien können Gebühren und Steuern anfallen; das liquide Nettovermögen ist daher ein Näherungswert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nettovermögen = Vermögenswerte − Verbindlichkeiten, angesetzt zu heutigen Marktwerten und Restschulden.
  • Das liquide Nettovermögen zeigt, worüber Sie tatsächlich schnell verfügen könnten.
  • Erstellen Sie den Cashflow aus echten Auszügen und setzen Sie jährliche Kosten als Monatsbeträge an.
  • Die Sparquote und der Trend im Zeitverlauf sind wichtiger als eine einzelne Momentaufnahme.

Nächster Schritt

In der nächsten Lektion machen Sie aus Ihrem Cashflow ein Budget – mit der 50/30/20-, der Null-Basis- und der Umschlagmethode.

Selbsttest

Beantworten Sie die Fragen und prüfen Sie dann Ihre Antworten. Sie können es so oft wiederholen, wie Sie möchten.

1. Anna hat €4,000 an Ersparnissen und ein Auto im Wert von €6,000; sie hat einen Autokredit über €3,000 sowie einen Kreditkartensaldo von €500. Wie hoch ist ihr Nettovermögen?

2. Warum sollten Sie Ihre Cashflow-Übersicht anhand von Kontoauszügen statt aus dem Gedächtnis erstellen?

3. Welche Kennzahl bleibt am besten vergleichbar, wenn Ihr Einkommen von €2,000 auf €3,000 pro Monat steigt?

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Ihr Fortschritt

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