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Deutsche Produkte für Privatanleger: Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate

Verstehen Sie, wie Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate bewertet werden, berechnen Sie Bezugsverhältnis, Aufgeld, Hebel und Knock-out-Schwellen und erkennen Sie die besonderen Risiken dieser Emittentenprodukte.

Autor: Moustafa HijaziInhalt geprüft: 2026-10-305 Min. LesezeitSelbstlernkurs

Was Sie lernen

  • Wie Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate aufgebaut sind und wer hinter ihnen steht.
  • Wie Sie mit dem Bezugsverhältnis (Ratio) den inneren Wert und den Preis berechnen.
  • Wie Sie Aufgeld, Break-even und Hebel eines Optionsscheins berechnen.
  • Wie Finanzierungslevel und Barriere eines Knock-out-Produkts funktionieren und warum der Knock-out die Position vollständig vernichten kann.

Erklärung

In Deutschland werden Hebelprodukte häufig als Wertpapiere in einem normalen Wertpapierdepot gekauft. Banken geben sie aus, und sie werden an Börsen wie der Börse Stuttgart oder der Börse Frankfurt oder direkt mit dem Emittenten gehandelt. Der Emittent tritt in der Regel als Market Maker auf: Er stellt die Geld- und Briefkurse, sodass Spread und Preismodell vom Emittenten kontrolliert werden.

Optionsscheine

Ein Optionsschein ist eine verbriefte Option: Ein Call-Optionsschein gibt das Recht, den Basiswert zum Basispreis bis zum oder am Verfallstag zu kaufen, ein Put-Optionsschein das Recht, ihn zu verkaufen. In der Praxis erfolgt meist ein Barausgleich. Zeitwert und implizite Volatilität (Lektion 5) gelten auch hier. Zwei neue Begriffe:

  • Bezugsverhältnis (Ratio): auf wie viel des Basiswerts sich ein Optionsschein bezieht. Ein Bezugsverhältnis von 0.1 bedeutet 10 Optionsscheine = 1 Aktie.
  • Aufgeld (Premium): um wie viel teurer es ist, die Aktie über den Optionsschein zu kaufen statt direkt. Für einen Call: Aufgeld % = (Optionsscheinpreis ÷ Bezugsverhältnis + Basispreis − Aktienkurs) ÷ Aktienkurs.

Der einfache Hebel ist Aktienkurs × Bezugsverhältnis ÷ Optionsscheinpreis. Er zeigt das Engagement pro investiertem Euro. Die genauere Kennzahl, das Omega (effektiver Hebel), ist der einfache Hebel × Delta, weil sich ein Optionsschein nicht eins zu eins mit der Aktie bewegt.

Knock-out-Zertifikate

Ein Knock-out-Zertifikat (auch Turbo oder Hebelzertifikat genannt) verhält sich nahezu linear: Sein Wert entspricht ungefähr dem Abstand zwischen dem Basiswert und einem Finanzierungslevel (Basispreis), multipliziert mit dem Bezugsverhältnis. Für ein Long-Produkt (Bull): Wert ≈ (Basiswert − Finanzierungslevel) × Bezugsverhältnis; für ein Short-Produkt (Bear): Wert ≈ (Finanzierungslevel − Basiswert) × Bezugsverhältnis. Die implizite Volatilität spielt nur eine geringe Rolle.

  • Die Barriere (Knock-out-Schwelle) ist der Kurs, bei dem das Produkt sofort endet. Entspricht die Barriere dem Finanzierungslevel, verfällt es in der Regel wertlos. Liegt sie vor dem Finanzierungslevel, kann ein kleiner Restwert ausgezahlt werden, der bei einer Kurslücke aber nahe null liegen kann.
  • Open-End-Produkte haben keinen festen Verfall. Der Emittent passt das Finanzierungslevel regelmäßig an, oft täglich: bei Long-Produkten nach oben (Sie zahlen die Finanzierung), bei Short-Produkten hängt die Richtung von den Zinsen und der Gebühr des Emittenten ab.
  • Barrieren werden oft fortlaufend überwacht, manchmal auch außerhalb der Handelszeiten des Zertifikats. Ein kurzer Ausschlag kann das Produkt ausknocken, während Sie nicht handeln können.

Beide Produkte tragen ein Emittentenrisiko: Wird die emittierende Bank insolvent, sind Sie ungesicherter Gläubiger. Sie fallen nicht unter die Einlagensicherung. Dies wird in der nächsten Lektion behandelt.

Rechenbeispiel

Hypothetisches Beispiel: Eine Aktie notiert bei €105. Spreads, Ordergebühren und Steuern sind nicht berücksichtigt; die Werte beziehen sich auf den Mittelkurs.

Call-Optionsschein: Basispreis €100, Bezugsverhältnis 0.1, Preis €1.20.

  1. Innerer Wert: (€105 − €100) × 0.1 = €0.50.
  2. Zeitwert: €1.20 − €0.50 = €0.70.
  3. Preis pro Aktie über den Optionsschein: €1.20 ÷ 0.1 = €12.00. Break-even beim Verfall: €100 + €12 = €112.
  4. Aufgeld: (€12 + €100 − €105) ÷ €105 ≈ 6.67%. Die Aktie muss bis zum Verfall um 6.67% steigen, nur um die Gewinnschwelle zu erreichen.
  5. Einfacher Hebel: €105 × 0.1 ÷ €1.20 = 8.75.

Open-End-Bull-Knock-out: Finanzierungslevel €90, Barriere €92, Bezugsverhältnis 0.1, Finanzierung durch den Emittenten 5% p.a. auf das Finanzierungslevel.

  1. Wert: (€105 − €90) × 0.1 = €1.50.
  2. Hebel: €105 × 0.1 ÷ €1.50 = 7.
  3. Finanzierung nach 30 Tagen: €90 × 5% × 30 ÷ 365 ≈ €0.37, das Finanzierungslevel steigt also auf etwa €90.37. Bleibt die Aktie bei €105, sinkt der Wert auf etwa €1.46.
  4. Berührt die Aktie €92, wird das Produkt ausgeknockt. Theoretischer Restwert: (€92 − €90) × 0.1 = €0.20, die tatsächliche Auszahlung hängt aber von dem Kurs ab, den der Emittent bei der Auflösung erzielt.

Häufiger Fehler

Die Barriere dort platzieren, wo ein Stop-Loss hingehören würdeViele Einsteiger wählen ein Knock-out-Produkt, dessen Barriere knapp unter dem letzten Zwischentief liegt, als wäre sie ein Stop. Ein Stop kann jedoch verschoben und die Position wieder eröffnet werden; ein Knock-out ist endgültig. Zudem wandert die Barriere bei Long-Produkten mit dem Finanzierungslevel nach oben. Wählen Sie das Produkt so, dass Ihr geplanter Ausstieg (Ihr eigener Stop) deutlich vor der Barriere erreicht wird.

Übung

Hypothetisch: Eine Aktie notiert bei €50. Ein Open-End-Bear-Knock-out (Short) hat ein Finanzierungslevel von €58, eine Barriere von €56 und ein Bezugsverhältnis von 1. Finanzierungsanpassungen und Spreads werden nicht berücksichtigt. Berechnen Sie auf Papier: (a) den Wert des Zertifikats, (b) seinen Hebel, (c) den Wert und das prozentuale Ergebnis, wenn die Aktie auf €53 steigt, (d) was bei €56 geschieht.

Lösung anzeigen

(a) (€58 − €50) × 1 = €8.00. (b) €50 ÷ €8 = 6.25. (c) (€58 − €53) × 1 = €5.00; Ergebnis (€5 − €8) ÷ €8 = −37.5%, bei einem Anstieg der Aktie um 6%. (d) Bei €56 wird das Produkt ausgeknockt; bestenfalls wird ein Restwert von etwa €2 ausgezahlt, in einem schnellen Markt möglicherweise viel weniger.

Grenzen: Echte Kurse enthalten den Spread des Emittenten und ein kleines Aufgeld, und Finanzierungslevel und Barriere werden im Lauf der Zeit angepasst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Optionsscheine und Knock-outs sind von Banken ausgegebene Wertpapiere: Der Emittent stellt die Kurse, und Sie tragen das Emittentenrisiko.
  • Rechnen Sie den Optionsscheinpreis immer mit dem Bezugsverhältnis um; das Aufgeld zeigt, wie weit sich die Aktie bewegen muss, nur um die Gewinnschwelle zu erreichen.
  • Der Wert eines Knock-outs entspricht ungefähr dem Abstand zum Finanzierungslevel; das Berühren der Barriere beendet das Produkt.
  • Open-End-Long-Knock-outs verlieren durch die Finanzierung jeden Tag an Wert, selbst wenn sich die Aktie nicht bewegt.

Nächster Schritt

In der nächsten Lektion vergleichen Sie börsengehandelte und außerbörsliche (OTC-)Derivate und lernen, Kontrahenten- und Emittentenrisiko einzuschätzen.

Selbsttest

Beantworten Sie die Fragen und prüfen Sie dann Ihre Antworten. Sie können es so oft wiederholen, wie Sie möchten.

1. Ein Call-Optionsschein hat einen Basispreis von €40, ein Bezugsverhältnis von 0.25 und kostet €1.50. Die Aktie notiert bei €44. Wie hoch ist der innere Wert des Optionsscheins?

2. Sie halten ein Open-End-Bull-Knock-out-Zertifikat. Der Aktienkurs bleibt zwei Monate lang unverändert. Was geschieht in der Regel mit dem Wert des Zertifikats?

3. Warum ist der gestellte Spread eines Optionsscheins ein wichtiger Kostenfaktor, den Sie vor dem Kauf prüfen sollten?

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